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Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun die Kollegin Bettina Herlitzius das Wort.
(Georg Schirmbeck [CDU/CSU]: Bettina ist wirklich ein schöner Name! Vor 30 Jahren hatte ich auch mal so schöne dunkle Haare!)
Bettina Herlitzius (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Neben dem Klimawandel ist der demografische Wandel eines unserer großen Zukunftsthemen.
Was bedeutet der demografische Wandel für den Tourismus und für die Tourismuswirtschaft? Wie in dem Antrag der Koalitionsfraktionen richtig dargestellt, steigt der Anteil der älteren Reisenden. Aber auch ihre Ansprüche und ihre Bedürfnisse werden sich ändern. Durch diesen Wandel sind Weichenstellungen der Politik, aber auch der Akteure der Tourismuswirtschaft erforderlich.
Grundlage des Reisens ist die Mobilität, und zwar die eigene körperliche Mobilität, aber auch die Mobilität, die unsere Gesellschaft und unsere Umwelt zulassen. Davon wird abhängen, wer zukünftig noch reisen kann.
Welche Anforderungen muss eine umweltschonende touristische Infrastruktur erfüllen? Sind die Leistungsträger der Transportsysteme und der touristischen Zielgebiete darauf vorbereitet? Diese Themen kommen in Ihrem Antrag nur unter "ferner liefen" vor. Aber genau das sind die Fragen, mit denen wir uns beschäftigen müssen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft werden die touristischen Märkte der Zukunft erheblich beeinflussen. Das ist offensichtlich. Es ist auch offensichtlich, dass viele Leistungsträger der Branche das bisher nicht erkannt haben. Die Studie, die Ihrem Antrag zugrunde liegt, weist darauf hin, dass die zukünftig reisende Seniorengeneration eine andere ist als die heutige. Sie sind reiseerfahren, haben einen hohen Mobilitätsanspruch und nicht unerhebliche Konsumerwartungen. Diese Reisegeneration für den Deutschlandtourismus zu gewinnen, ist nicht ganz einfach.
Wenn unsere Tourismuswirtschaft weiterhin expandieren will, dann muss noch viel passieren. Die Senioren von heute fragen besonders nach Angeboten mit Entspannung, Natur und Kultur. Auch gesundheitsfördernde Aktivitäten und Wellness bekommen einen immer höheren Stellenwert. Fernreisen werden heute auch wegen gesundheitlicher Risiken von Senioren weniger nachgefragt. Gerade diese Chance für den Deutschlandtourismus gilt es zu erkennen und vor allen Dingen auszubauen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Vermarktung und Produktherstellung müssen deshalb auf alle Altersgruppen abgestimmt werden. Kenntnisse über Bedürfnisse, Ansprüche und Wünsche der Senioren gilt es zu erkunden und bei der Angebotsgestaltung zu berücksichtigen. Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft wird die Zahl der Menschen, die nicht mehr Auto fahren können und wollen, zunehmen. Auch werden Reiseregionen, um die Natur und damit auch ihren Erholungswert zu schützen, zukünftig den Pkw-Verkehr stärker einschränken. Die heutigen Umweltzonen sind ein Anfang.
Dabei gilt es, die richtigen politischen Weichen zu stellen, damit touristische Regionen mehr Hilfestellung zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs anbieten und eine zufriedenstellende nachhaltige Mobilität für Menschen aller Altersstufen gewährleisten.
Aber auch der Aspekt der Barrierefreiheit ist wichtig und muss berücksichtigt werden. Bei Barrierefreiheit geht es nicht nur um Mobilität und Unterbringung; sie muss sich vielmehr auf alle Dienstleistungen des Tourismusbereiches erstrecken. Unkomplizierter Gepäcktransport, lesbare Reiseinformationen und vieles mehr gehören dazu. Es muss eine komplette Reisekette von Tür zu Tür sein, die für jeden nutzbar ist.
Wir haben ein großes Thema vor uns. Es ist wichtig, dass wir es richtig angehen. Denn der Seniorenreisemarkt kann ein Wachstumsmotor und ein Hoffnungsträger der Tourismuswirtschaft werden. Er hat aber nur dann eine Zukunft, wenn er nachhaltig und barrierefrei gestaltet wird. Lassen Sie uns daran arbeiten.
Danke.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)