ITB 2008 – Klimawandel in aller Munde, aber auch in aller Köpfe?
Wieder einmal kann die ITB in Berlin mit Rekorden aufwarten: 11.147 Aussteller aus 186 Ländern, darunter die Messeneulinge Palau, Yap und Sansibar. 177.900 Besucher strömten vom 11. bis 15. März in die Messehallen, auch das ist Rekord. Insgesamt wurden Verträge in Höhe von 6 Mrd. Euro abgeschlossen, ein Plus von rund 20 % im Vergleich zum Vorjahr. Das Geschäft brummte also.Als Tourismuspolitikerin meiner Fraktion war es mein erster ITB-Besuch.
Wie schon im letzten Jahr sollten Klimaschutz und Nachhaltigkeit Schwerpunkte der diesjährigen ITB sein. So war die deutsche Klimaschutzorganisation atmosfair erstmalig Partner der Messe. Alle Messebesucher hatten vor Ort die Möglichkeit, ihre durch die Fluganreise verursachten CO2-Emissionen auszugleichen. Passend dazu gaben die Reisekonzerne TUI und Thomas Cook bekannt, dass sie ihren Kunden nun (endlich) auch die Möglichkeit bieten, eine freiwillige Klimaspende zu zahlen. So kooperiert Thomas Cook mit atmosfair, TUI hingegen mit der schweizerischen Organisation Myclimate. Wer wollte, konnte auch eine "Waldaktie" für den "Klimawald" in Mecklenburg-Vorpommern erwerben und so sein "schlechtes CO2-Gewissen" beruhigen. Fraglich zwar, aber immerhin besser als nichts.Auch eine Reihe der von mir besuchten Vorträge und Podiumsdiskussionen behandelte die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit: Angefangen vom "Klimakiller Luftverkehr" über "Autotourismus im Zeitalter des Klimawandels" bis hin zum "Urlaub auf Balkonien". Geredet und diskutiert wurde viel − aber wird auch konkret gehandelt?Das Segment "Ecotourism" war in der Halle "Trends und Events" untergebracht. Also trotz der Popularität des "Nachhaltigen Reisens" ein Stiefkind. Zugegeben, wirklich voll war es in dieser Halle nicht – weder drängelten sich dort die Messebesucher, noch die Aussteller.
Manche Aussteller wirkten gar ein wenig verlassen und einsam. Auch blieb genügend Platz für Kletterwände, Zelte und Kickertische. Ein "Luxus", wovon die Aussteller in den "herkömmlichen" Hallen nur träumen konnten. – Hier herrschte wieder einmal großes Gedränge und es wurden die exotischsten Destinationen, die komfortabelsten Hotels und die größten Ferienressorts präsentiert. Der "Hingucker" war der Stand der Fluglinie Emirates, eine dreistöckige, voll verglaste Weltkugel, die sich um ihre eigene Achse dreht.Nur von den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz war nicht viel zu sehen, denn der Großteil der angebotenen Reisen war alles andere als klimafreundlich. Business as usual also.Das bestätigte auch eine repräsentative ITB-Umfrage der Fachhochschule Eberswalde und der MODUL University Wien.
Den befragten Touristikern ist zwar die Problematik des Klimawandels durchaus bewusst, doch mangelt es nach wie vor bei der Umsetzung von Lösungsmöglichkeiten. So bieten zum Beispiel nur 3 % der Aussteller im eigenen Unternehmen den Ausgleich von Flugemissionen an. Auch hatten zum Zeitpunkt der Befragung erst 1 % der Aussteller ihre Anreise beim Messepartner atmosfair ausgeglichen. Zwar gaben über die Hälfte der Befragten an, dies noch tun zu wollen, aber da war wohl auch der Wunsch Vater des Gedankens.Abschließend muss ich mir schon die Frage stellen, ob das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz wirklich in den Köpfen der Touristiker angekommen ist.
Als ich durch die Hallen geschlendert bin, war mein Eindruck leider immer noch so, dass hier noch eine Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Immerhin, die Messe verzichtete dieses Jahr auf einen Helikopter-Shuttle vom Flughafen Schönefeld zum Messegelände, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder?
2008-03-10T00:00:00ITB 2008 – Klimawandel in aller Munde, aber auch in aller Köpfe?Eindrücke meines MessebesuchsfalseTourismusWieder einmal kann die ITB in Berlin mit Rekorden aufwarten: 11.147 Aussteller aus 186 Ländern, darunter die Messeneulinge Palau, Yap und Sansibar. 177.900 Besucher strömten vom 11. bis 15. März in die Messehallen, auch das ist Rekord. Insgesamt wurden Verträge in Höhe von 6 Mrd. Euro abgeschlossen, ein Plus von rund 20 % im Vergleich zum Vorjahr. Das Geschäft brummte also.Als Tourismuspolitikerin meiner Fraktion war es mein erster ITB-Besuch.
Wie schon im letzten Jahr sollten Klimaschutz und Nachhaltigkeit Schwerpunkte der diesjährigen ITB sein. So war die deutsche Klimaschutzorganisation atmosfair erstmalig Partner der Messe. Alle Messebesucher hatten vor Ort die Möglichkeit, ihre durch die Fluganreise verursachten CO2-Emissionen auszugleichen. Passend dazu gaben die Reisekonzerne TUI und Thomas Cook bekannt, dass sie ihren Kunden nun (endlich) auch die Möglichkeit bieten, eine freiwillige Klimaspende zu zahlen. So kooperiert Thomas Cook mit atmosfair, TUI hingegen mit der schweizerischen Organisation Myclimate. Wer wollte, konnte auch eine "Waldaktie" für den "Klimawald" in Mecklenburg-Vorpommern erwerben und so sein "schlechtes CO2-Gewissen" beruhigen. Fraglich zwar, aber immerhin besser als nichts.Auch eine Reihe der von mir besuchten Vorträge und Podiumsdiskussionen behandelte die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit: Angefangen vom "Klimakiller Luftverkehr" über "Autotourismus im Zeitalter des Klimawandels" bis hin zum "Urlaub auf Balkonien". Geredet und diskutiert wurde viel − aber wird auch konkret gehandelt?Das Segment "Ecotourism" war in der Halle "Trends und Events" untergebracht. Also trotz der Popularität des "Nachhaltigen Reisens" ein Stiefkind. Zugegeben, wirklich voll war es in dieser Halle nicht – weder drängelten sich dort die Messebesucher, noch die Aussteller.
Manche Aussteller wirkten gar ein wenig verlassen und einsam. Auch blieb genügend Platz für Kletterwände, Zelte und Kickertische. Ein "Luxus", wovon die Aussteller in den "herkömmlichen" Hallen nur träumen konnten. – Hier herrschte wieder einmal großes Gedränge und es wurden die exotischsten Destinationen, die komfortabelsten Hotels und die größten Ferienressorts präsentiert. Der "Hingucker" war der Stand der Fluglinie Emirates, eine dreistöckige, voll verglaste Weltkugel, die sich um ihre eigene Achse dreht.Nur von den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz war nicht viel zu sehen, denn der Großteil der angebotenen Reisen war alles andere als klimafreundlich. Business as usual also.Das bestätigte auch eine repräsentative ITB-Umfrage der Fachhochschule Eberswalde und der MODUL University Wien.
Den befragten Touristikern ist zwar die Problematik des Klimawandels durchaus bewusst, doch mangelt es nach wie vor bei der Umsetzung von Lösungsmöglichkeiten. So bieten zum Beispiel nur 3 % der Aussteller im eigenen Unternehmen den Ausgleich von Flugemissionen an. Auch hatten zum Zeitpunkt der Befragung erst 1 % der Aussteller ihre Anreise beim Messepartner atmosfair ausgeglichen. Zwar gaben über die Hälfte der Befragten an, dies noch tun zu wollen, aber da war wohl auch der Wunsch Vater des Gedankens.Abschließend muss ich mir schon die Frage stellen, ob das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz wirklich in den Köpfen der Touristiker angekommen ist.
Als ich durch die Hallen geschlendert bin, war mein Eindruck leider immer noch so, dass hier noch eine Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Immerhin, die Messe verzichtete dieses Jahr auf einen Helikopter-Shuttle vom Flughafen Schönefeld zum Messegelände, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder?