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28. November 2008

Klimawandel fordert Tourismuswandel

Der Klimawandel ist die größte Herausforderung für den nachhaltigen Tourismus im 21. Jahrhundert und verlangt nach einer Revolution in der Tourismusindustrie. Zwar liegt Urlaub vor der Haustüre im Trend, trotzdem verbringen die meisten Urlauber den Sommerurlaub nach wie vor am liebsten am fernen Mittelmeer, wenngleich immer mehr Deutsche auch auf einen aktiven und gesunden Urlaub setzen. Es zieht die Menschen im Urlaub in die Natur: Vor allem Wander- und Kletterrouten stehen hoch im Kurs und der Urlaub auf zwei Rädern wird zunehmend beliebter. Hier sind vor allem die Radwege entlang Deutschlands Flüssen attraktive Reiseziele.

Ein wichtiges Thema für die Urlaubsgestaltung ist neben dem verfügbaren finanziellen Budget aber auch, dass es durch das Reisen zu problematischen Entwicklungen für Natur und Umwelt kommt. Daher ist die nachhaltige Gestaltung der gesamten Tourismuswirtschaft für den Standort Deutschland über das ökologisch korrekte touristische Angebot einiger weniger Reiseveranstalter hinaus, eine wichtige politische und wirtschaftliche Herausforderung für die nächsten Jahre. Denn der Klimawandel ist in den Köpfen der Tourismusbranche bisher noch nicht angekommen. Dabei bezeichnet die Tourismusindustrie mehr Beschäftigte als die Automobilindustrie.

Auf Einladung des Deutschen Tourismusverbandes trafen sich in Berlin Forscher und Touristiker um nach ersten Sensibilisierungen im Rahmen der ITB (Internationale Tourismusbörse) 2009 diesem auch für die Branche außerordentlich wichtigen Problem weiteren Anschub zu geben.

In der Tourismusindustrie mangelt es bisher am Bewusstsein für den Klimawandel, obwohl der Klimawandel sich bereits heute auf touristische Investitionen, Veranstalter und Angebote auswirkt. Alte, vertraute Strukturen werden kaum aufgebrochen und Investitionen werden vielfach fehlgeleitet. Da es oftmals an Mut zum kreativen Weitblick fehlt, handelt die Branche bislang überwiegend reaktiv.

Es mag sein, dass die Vorstellung "Rügen unter Palmen" durchweg positive Assoziationen hervorruft. Für die deutschen Mittelgebirge wird aber bereits in den kommenden 10 Jahren mit einem Rückgang der Schneetage um 50 % gerechnet. Wintersport  wäre also nur noch mit künstlicher Beschneiung sicherzustellen, wenn die Temperaturen niedrig genug sind. Das wiederum impliziert einen hohen Energie- und Wasserverbrauch und ist nicht nur kostspielig, sondern ebenfalls eine indirekte Verstärkung des Treibhauseffektes.

Mehr als die Hälfte der Kilometer werden heute in Freizeit und Urlaub gefahren. Selbst die Anzahl der per Flugzeug zurückgelegten langen Urlaubsreisen wuchs in weniger als 10 Jahren um 33 Prozent. Sie ermöglichen es dem Reisenden lange Strecken zurückzulegen, andere Kontinente und unterschiedliche Kulturen auf der ganzen Welt kennenzulernen.

Klimawandel kennt keine politischen Grenzen. Bündnis 90/ Die Grünen setzen sich in der Tourismuspolitik dafür ein, dass beim Reisenden überhaupt ein Bewusstsein über die Umweltauswirkungen einer Reise erzeugt wird, damit eventuell einem näheren Ziel der Vorzug gegeben wird. "Reisen", sollte künftig stärker als bisher im Einklang mit unserer natürlichen und sozialen Umwelt stehen. Dafür sind attraktive Angebote der Tourismusindustrie notwendig. Das Positionspapier des DTV zu "Tourismus, Umwelt und nachhaltiger Entwicklung" ist ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung!

 

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