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Di, 10. Mär. 2009
Aachener Nachrichten - Nord / Lokales / Seite 15
Am Europatag besucht die Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius Gesamtschüler und Gymnasiasten. Gegenbesuch im August.
Von Patrick Kreitz
Herzogenrath. Von außen betrachtet hat sich an der städtischen Gesamtschule in Merkstein in den vergangenen Monaten nicht viel geändert. Doch im Entrée kaum um die Ecke gebogen, wird deutlich, warum Bettina Herlitzius am Tag der Europäischen Union ausgerechnet hier zu Gast ist.
Die in Kohlscheid lebende Bundestagsabgeordnete (Bündnis90/Grüne) besucht schließlich keine "Penne" wie jede andere, sondern eine seit kurzem offiziell zertifizierte Europaschule. Das zeigen die selbstgemachten bunten Fahnen der EU-Mitgliedsländer, die im Flur von der Decke baumeln. Alle 27 Staaten sind dabei vertreten.
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(Gespräch mit Schülern der städtischen Gesamtschule in Merkstein. Nach der Teilnahme |
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Stille Hospitanz
"Fünf Fremdsprachen im Angebot zu haben, das finde ich schon phänomenal", lobt der Besuch aus Berlin. Nach einem Gespräch mit Vertretern des Lehrerkollegiums und Schulleiter Daniel Bick wird Bettina Herlitzius gleich Zeugin des Sprachunterrichts, dem die Schule ihren Titel zu verdanken hat.
Brav setzt sich die Abgeordnete in eine der hinteren Reihen im Klassenraum des Niederländischkurses der Siebtklässler. Interessiert lauscht sie dem Unterricht von Wolfgang Josephs. Heute stehen Berufe auf dem Stundenplan. Die Schüler lernen schon seit zwei Jahren die Sprache der geografischen Nachbarn und sind schon richtig fit. Die Vorstellungsrunde auf Niederländisch ist da keine Herausforderung mehr.
Nach der stillen Hospitanz ist Bettina Herlitzius dann selbst gefordert. Der Sozialwissenschaftskurs der elften Jahrgangsstufe hat sich gut vorbereitet und löchert den Gast mit Fragen – von Politikverdrossenheit keine Spur. Studiengebühren, Ausbildungsnot und Wirtschaftskrise treiben die Schüler um.
Für Heiterkeit sorgt der Begriff "G8": Herlitzius holt zur Kritik am Wirtschaftsbündnis aus, blickt aber in ganz große Augen. Eigentlich wollten die Schüler ihre Meinung zur Reduzierung der gymnasialen Schulzeit auf acht Jahre hören. Einem Lachen folgen klare Worte: "Die Streichung der elften Klasse mag insgesamt sinnvoll sein, aber so, wie es gemacht wurde, ist es falsch und sollte zurückgenommen werden. Die Trennung der Schulformen wird so noch mehr verschärft, Gymnasiasten werden bevorteilt, andere Schüler haben es noch schwerer."
Treffen im EBC
Bettina Herlitzius schafft es, die grüne Politik zu vermitteln, muss aber auch mit Vorurteilen aufräumen, als nach der Haltung zum Tierschutz gefragt wird: "Klar, auch Grüne essen Schnitzel!" Nur solle man vielleicht überlegen, ob Fleisch wirklich jeden Tag auf den Tisch gehöre. Am Ende der Diskussion wird noch rasch ein Termin für den Gegenbesuch in Berlin vereinbart: Anfang August ist Abreise.
Dann zollt Herlitzius dem engen Terminplan Tribut und muss sich sputen, ins Eurode-Business-Center nach Straß zu kommen. Dort wird sie schon von der Klasse 10a des städtischen Gymnasiums erwartet. Auch hier gilt es wieder, Fragen zu beantworten, was beiden Seiten aber sichtlich Freude bereitet. Schließlich hört man selten aus erster Hand davon, was hinter den Kulissen des Bundestages passiert, dass Bahnchef Hartmut Mehdorn im Verkehrsausschuss nochmal "nachsitzen" werden muss und wie oft man eigentlich an Plenarsitzungen teilnehmen kann.
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| (Eurode-Business-Center( EBC), Klasse 10 a des städt. Gymnasiums. Die SchülerInnen sind sehr interessiert aus erster Hand zu erfahren, was hinter den Kulissen des Bundestages passiert. Das symbolträchtige Foto (links) zeigt die Gymnasiasten am EBC mitten auf der Grenzlinie Deutschland/Niederlande.) | |
Die Schüler sind vor dem Treffen nicht untätig gewesen und präsentieren zwei umfangreiche Referate über die politischen Systeme Deutschlands und der Niederlande. Die Zusammenarbeit beider Länder und der Bezug zu den Nachbarn ist natürlich ein großes Thema. Dabei berichten die Schüler von eigenen Erfahrungen. Natürlich lacht man über kleine Sticheleien in Form von Vorurteilen über Käse und Kiffer, aber der Grundgedanke, gemeinsam mehr erreichen zu können, wird deutlich transportiert.
Noch viel Arbeit
Dass man dennoch weiter daran arbeiten müsse, lag Schulleiter Reinhard Granz am Herzen: "In den Köpfen existieren noch manche Grenzen. Die müssen weg!" Dem kann Bettina Herlitzius, der die Vorträge gut gefallen haben, nur zustimmen: "Da konnte auch ich noch etwas lernen!"
Wie schon die Schüler der Gesamtschule brennen auch die Gymnasiasten auf eine Visite in der Hauptstadt. Aber mit den guten Kontakten wird sich da sicher etwas regeln lassen.