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Die Leitlinien sollten eine Vision für die Zukunft und keine bunte Sammlung sein! Im Papier fehlt die Formulierung von Zielen bzw. Prioritäten, damit der Einsatz der Ressourcen im Hinblick auf Infrastruktur und Marketing auch zielgenau erfolgen kann.
Obwohl die Leitlinien überwiegend begrüßt werden, sehen insgesamt fast alle zur Anhörung geladenen Sachverständigen die Leitlinien kritisch, weitgehend abstrakt und ohne konkrete Maßnahmen. So gibt es eine massive Diskrepanz zwischen dem ökonomischem Gewicht des Tourismus und dem politischen Stellenwert, den wir in Deutschland dem Tourismus zugestehen. Im Ergebnis bedeutet das, dass der Tourismus mit derzeit rund 2,8 Millionen Beschäftigten einer der unkontrolliertesten Industriezweige der Welt ist. Größtenteils im Eigentum großer westlicher Hotelketten und Reiseveranstalter. Doch Wann – wenn nicht jetzt – wollen wir handeln? Schließlich gehört der Tourismus zu den tragenden Wirtschaftssektoren in Deutschland. Deshalb fordern einige der Sachverständigen die Entwicklung eines "Masterplan Tourismus". Diese Forderung findet jedoch nicht die Zustimmung aller Experten, der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft z. B., vertreten durch Herrn Laepple, findet einen solchen Masterplan nicht sinnvoll und lehnt eine Zusammenarbeit seines Verbandes ab.
Aus Grüner Sicht sind es die Bereiche Klimawandel, Aussagen zur Wahl der Verkehrsmittel als Grundlage jeglichen Tourismus, der demografische Wandel, Soziale Standards und Lebensstilfragen zum touristischen Selbstverständnis, welche uns in diesem Politikbereich vor konkrete Herausforderungen stellen.
Wir fahren heute mehr als die Hälfte der Kilometer in Freizeit und Urlaub. 75 Prozent des CO2-Ausstoßes im Tourismus sind der Mobilität zuzurechnen, daher spielte dieser bereich auch bei den Sachverständigen teilweise eine nicht unerhebliche Rolle. Denn gerade das Fliegen ist sehr viel schädlicher für die Umwelt als vergleichsweise die Anreise mit dem Reisebus oder der Bahn.Unsere Regierung subventioniert das Fliegen und traut sich nicht in den tourismuspolitischen Leitlinien ambitionierte Aussagen über die Wahl der Verkehrsmittel die ja Grundlage jeglichen Tourismus sind zu machen. Zudem wäre eine barrierefreie Vernetzung der unterschiedlichen Leistungsträger, also sämtlicher Verkehrsmittel und aller Serviceangebote die eine Tür zu Tür Anbindung und die Mobilität vor Ort sicherstellen, nicht nur für Gehandikapte, sondern für alle Reisenden ein qualitativer Zugewinn.
Auch zu den überwiegend mittelständischen Betrieben im Tourismus werden keinerlei konkrete Aussagen getroffen. Gerade hier haben wir problematische Beschäftigungsverhältnisse und im Hotel- und Gaststättengewerbe zudem einen erheblichen Investitionsstau – vieles erstrahlt im Charme der 70er Jahre. Hier muss die Politik konkrete Investitionsanreize schaffen.
Darüber hinaus kommt auch der große ganzheitliche Bereich der Nachhaltigkeit als wichtigste wertschöpfende Säule des Tourismus in den Leitlinien viel zu kurz. "Reisen" muss stärker als bisher im Einklang mit unserer natürlichen und sozialen Umwelt stehen. Bislang werden zum Teil fragwürdige Anpassungsstrategien zum Erhalt der Wertschöpfung aus dem Tourismus subventioniert. Hier muss endlich in die richtige Richtung gesteuert werden.