Bettina Herlitzius, MdB

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Grüner Handwerkstag: Handwerk hat grünen Boden – Handwerk hat grüne Partner

Dokumentation Panel I
"Baustellen des Klimaschutzes – wo liegen die Potenziale fürs Handwerk?"

Bettina Herlitzius – wohnungspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion – eröffnet ihre Moderation des Panels "Baustellen des Klimaschutzes – wo liegen die Potenziale fürs Handwerk?" mit einer wichtigen Feststellung: 40 Prozent des Gesamtenergieumsatzes werden durch das wohnen verursacht. Hier liegt ein enormes Potenzial für das Handwerk. Der bestehende energetische Sanierungsstau wird Studien zufolge auf eine Höhe von 200 Milliarden Euro beziffert – und muss aufgelöst werden. Neben der Energiefrage ist das Handwerk aber auch bei Komfortsteigerungen, barrierefreien Umbauten und Wertsteigerungen der Gebäude gefragt! Fakt ist: es geht nicht ohne das Handwerk!

Stephan Schwarz – Präsident der Handwerkskammer Berlin -  betonte in seinem Beitrag die Rolle der energetischen Gebäudesanierung als Schlüsselaufgabe für das Handwerk. Hier ruht ein riesiges Potenzial, um Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit zusammen zu bringen. Denn über 50 Prozent des Energiebedarfs fließt heute in den Wärmebedarf, der Löwenanteil davon wird für die Beheizung von Wohnungen benötigt. Bleiben wir beim heutigen Sanierungstempo, so brauchen wir etwa 80 Jahre bis unser Gebäudebestand saniert ist. Das heißt, die Sanierungsquote muss mindestens verdoppelt werden. Hier sei insbesondere die Politik gefragt, so Stephan Schwarz. Die bestehenden KfW-Programme seien zwar gut, aber längst nicht ausreichend und es bestehe erheblicher Nachbesserungsbedarf bei den Energieausweisen. Stephan Schwarz sieht die Zukunftsaufgabe des Handwerks in der Information des Marktes und der GebäudeeigentümerInnen. Dazu müsse aber die Beratung und die Qualifizierung dringend verbessert werden. Von Ordnungsrechtlichen Maßnahmen rät er aber ab, diese würden eher eine Widerstandshaltung wecken, als zu verstärkten Sanierungsbemühungen führen. Er setzt auf die Regelungskraft des Marktes und außerdem gäbe es eine Vielzahl an Beispielen, insbesondere bei geringinvestiven Maßnahmen, bei denen sich die energetische Sanierung auch wirtschaftlich rechnet.

Ulrike Mehl – Bundesvorstand BUND – beschreibt den Themenkomplex Umwelt und Arbeit bereits als ganz altes Thema. Bereits in den 1980er-Jahren sei darüber intensiv diskutiert worden, dann sei das Thema aber untergegangen und seither würde Klimaschutz als Belastung empfunden. Ein CO2-Ausstoß von 2 Tonnen pro Jahr und pro Kopf ist das ausgegebene Ziel – heute liegen wir in Deutschland bei 10 Tonnen in den USA liegt Pro-Kopf-Ausstoß sogar bei 22 Tonnen. Bis 2050 wollen und müssen wir eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 50 Prozent erreichen, dazu sind große Anstrengungen notwendig. Insbesondere das Handwerk und der Baubereich können hier einen erheblichen Anteil leisten. Wie auch Dr. Franz Georg Rips vom Mieterbund betont sie die Notwendigkeit eines ordnungspolitischen Rahmens.

Dr. Franz Georg Rips – Präsident Deutscher Mieterbund e.V. – nennt drei Ebenen auf denen die Zukunftsaufgabe Energieeinsparung im Gebäudebereich bearbeitet werden muss. Dazu gehören die Energieeinsparung, die Erhöhung der Energieeffizienz und der Einsatz erneuerbarer Energien.Dabei sei die Ebene der Energieeffizienz (verbesserte Dämmung, neue Fenster und Heizungen u.a.) die klassische Aufgabe für das Handwerk. Hier müsse in den Jahren auch sehr viel öffentliches Geld fließen! Denn heute ermöglicht das Mietrecht eine Modernisierungsumlage von 11 Prozent auf die Miete, die durchschnittlichen Kosten einer energetischen Sanierung belaufen sich auf 30.000 Euro. Damit könne sich die Jahresmiete um 3.300 Euro erhöhen, was sichselbst nach Abzug der eingesparten Energiekosten kaum ein Haushalt in Deutschland leisten kann. Der Markt gibt die Modernisierungsumlage nicht her.

Dr. Franz Georg Rips betont aber auch, dass die EigentümerInnen aus Eigeninteresse heraus investieren müssen. Er prophezeit, dass bereits in 10 Jahren unsanierte Wohnungen nicht mehr zu vermieten oder zu verkaufen seien. Allerdings sieht auch er bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung eine Unbekannte, die Energiepreise. Fakt ist: die Preise werden steigen. Im Gegensatz zu Stephan Schwarz fordert er aber die Politik auf, konkrete Vorgaben zu machen. Als Beispiel schlägt er vor, bis 2020 sollte der Energiebedarf der Gebäude zu jeweils 20 Prozent aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Der Weg dahin, solle den EigentümerInnen aber offen bleiben.

Michael Schäfer – Fraktionsvorstand Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus Berlin – sieht die öffentliche Hand in der Pflicht mit der Sanierung der öffentlichen Gebäude ihre Vorbildfunktion zu erfüllen. Leider seien aber die öffentlichen Wohnungsunternehmen in Berlin kein Vorbild. Im Gegenteil die Berliner Grünen scheitern im Abgeordnetenhaus mit jedem Anlauf, die Gebäudesanierung anzuschieben. Sein Vorschlag ist, nicht verausgabte Investitionsmittel des Landeshaushalts in einen Topf fließen zu lassen, der energetische Sanierungen finanziert. Die eingesparten Energiekosten sollen dann wiederum den Topf speisen und weitere Sanierungen möglich machen. Auch dieser Vorschlag sei aber am Senat gescheitert.

Forderungen an die Politik: Auf Nachfrage von Bettina Herlitzius – wohnungspolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion – nannten die vier PanelteilnehmerInnen verschiedene Stellschrauben, die sie drehen würden, sollten sie im Kanzleramt sitzen.

Stephan Schwarz möchte die Arbeitskosten in Deutschland, insbesondere die Sozialabgaben reduzieren, die Aus- und Weiterbildung der Handwerker verbessern und den "Bauch" der Mittelständigkeit abtragen!

Ulrike Mehl würde ein großes Umweltbildungsprogramm auflegen und ein ehrgeiziges Energie-Effizienz-Gesetz verabschieden.

Michael Schäfer würde sich dem ehrgeizigen Energie-Effizienz-Gesetz von Frau Mehl anschließen und den Vorrang der erneuerbaren Energien erhalten.

Dr. Franz Georg Rips möchte für eine ausgewogene Balance zwischen EigentümerInnen, MieterInnen und öffentlichen Geldern sorgen.

 

 

2009-05-15T00:00:00Grüner Handwerkstag: Handwerk hat grünen Boden – Handwerk hat grüne Partner40 Prozent des Gesamtenergieumsatzes werden durch das Wohnen verursacht. Hier liegt ein enormes Potenzial für das Handwerk. Der bestehende energetische Sanierungsstau wird Studien zufolge auf eine Höhe von 200 Milliarden Euro beziffert – und muss aufgelöst werden. Neben der Energiefrage ist das Handwerk aber auch bei Komfortsteigerungen, barrierefreien Umbauten und Wertsteigerungen der Gebäude gefragt! Fakt ist: es geht nicht ohne das Handwerk!falseDokumentation Panel I"Baustellen des Klimaschutzes – wo liegen die Potenziale fürs Handwerk?" Bettina Herlitzius – wohnungspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion – eröffnet ihre Moderation des Panels "Baustellen des Klimaschutzes – wo liegen die Potenziale fürs Handwerk?" mit einer wichtigen Feststellung: 40 Prozent des Gesamtenergieumsatzes werden durch das wohnen verursacht. Hier liegt ein enormes Potenzial für das Handwerk. Der bestehende energetische Sanierungsstau wird Studien zufolge auf eine Höhe von 200 Milliarden Euro beziffert – und muss aufgelöst werden. Neben der Energiefrage ist das Handwerk aber auch bei Komfortsteigerungen, barrierefreien Umbauten und Wertsteigerungen der Gebäude gefragt! Fakt ist: es geht nicht ohne das Handwerk! Stephan Schwarz – Präsident der Handwerkskammer Berlin -  betonte in seinem Beitrag die Rolle der energetischen Gebäudesanierung als Schlüsselaufgabe für das Handwerk. Hier ruht ein riesiges Potenzial, um Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit zusammen zu bringen. Denn über 50 Prozent des Energiebedarfs fließt heute in den Wärmebedarf, der Löwenanteil davon wird für die Beheizung von Wohnungen benötigt. Bleiben wir beim heutigen Sanierungstempo, so brauchen wir etwa 80 Jahre bis unser Gebäudebestand saniert ist. Das heißt, die Sanierungsquote muss mindestens verdoppelt werden. Hier sei insbesondere die Politik gefragt, so Stephan Schwarz. Die bestehenden KfW-Programme seien zwar gut, aber längst nicht ausreichend und es bestehe erheblicher Nachbesserungsbedarf bei den Energieausweisen. Stephan Schwarz sieht die Zukunftsaufgabe des Handwerks in der Information des Marktes und der GebäudeeigentümerInnen. Dazu müsse aber die Beratung und die Qualifizierung dringend verbessert werden. Von Ordnungsrechtlichen Maßnahmen rät er aber ab, diese würden eher eine Widerstandshaltung wecken, als zu verstärkten Sanierungsbemühungen führen. Er setzt auf die Regelungskraft des Marktes und außerdem gäbe es eine Vielzahl an Beispielen, insbesondere bei geringinvestiven Maßnahmen, bei denen sich die energetische Sanierung auch wirtschaftlich rechnet. Ulrike Mehl – Bundesvorstand BUND – beschreibt den Themenkomplex Umwelt und Arbeit bereits als ganz altes Thema. Bereits in den 1980er-Jahren sei darüber intensiv diskutiert worden, dann sei das Thema aber untergegangen und seither würde Klimaschutz als Belastung empfunden. Ein CO2-Ausstoß von 2 Tonnen pro Jahr und pro Kopf ist das ausgegebene Ziel – heute liegen wir in Deutschland bei 10 Tonnen in den USA liegt Pro-Kopf-Ausstoß sogar bei 22 Tonnen. Bis 2050 wollen und müssen wir eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 50 Prozent erreichen, dazu sind große Anstrengungen notwendig. Insbesondere das Handwerk und der Baubereich können hier einen erheblichen Anteil leisten. Wie auch Dr. Franz Georg Rips vom Mieterbund betont sie die Notwendigkeit eines ordnungspolitischen Rahmens. Dr. Franz Georg Rips – Präsident Deutscher Mieterbund e.V. – nennt drei Ebenen auf denen die Zukunftsaufgabe Energieeinsparung im Gebäudebereich bearbeitet werden muss. Dazu gehören die Energieeinsparung, die Erhöhung der Energieeffizienz und der Einsatz erneuerbarer Energien.Dabei sei die Ebene der Energieeffizienz (verbesserte Dämmung, neue Fenster und Heizungen u.a.) die klassische Aufgabe für das Handwerk. Hier müsse in den Jahren auch sehr viel öffentliches Geld fließen! Denn heute ermöglicht das Mietrecht eine Modernisierungsumlage von 11 Prozent auf die Miete, die durchschnittlichen Kosten einer energetischen Sanierung belaufen sich auf 30.000 Euro. Damit könne sich die Jahresmiete um 3.300 Euro erhöhen, was sichselbst nach Abzug der eingesparten Energiekosten kaum ein Haushalt in Deutschland leisten kann. Der Markt gibt die Modernisierungsumlage nicht her. Dr. Franz Georg Rips betont aber auch, dass die EigentümerInnen aus Eigeninteresse heraus investieren müssen. Er prophezeit, dass bereits in 10 Jahren unsanierte Wohnungen nicht mehr zu vermieten oder zu verkaufen seien. Allerdings sieht auch er bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung eine Unbekannte, die Energiepreise. Fakt ist: die Preise werden steigen. Im Gegensatz zu Stephan Schwarz fordert er aber die Politik auf, konkrete Vorgaben zu machen. Als Beispiel schlägt er vor, bis 2020 sollte der Energiebedarf der Gebäude zu jeweils 20 Prozent aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Der Weg dahin, solle den EigentümerInnen aber offen bleiben. Michael Schäfer – Fraktionsvorstand Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus Berlin – sieht die öffentliche Hand in der Pflicht mit der Sanierung der öffentlichen Gebäude ihre Vorbildfunktion zu erfüllen. Leider seien aber die öffentlichen Wohnungsunternehmen in Berlin kein Vorbild. Im Gegenteil die Berliner Grünen scheitern im Abgeordnetenhaus mit jedem Anlauf, die Gebäudesanierung anzuschieben. Sein Vorschlag ist, nicht verausgabte Investitionsmittel des Landeshaushalts in einen Topf fließen zu lassen, der energetische Sanierungen finanziert. Die eingesparten Energiekosten sollen dann wiederum den Topf speisen und weitere Sanierungen möglich machen. Auch dieser Vorschlag sei aber am Senat gescheitert. Forderungen an die Politik: Auf Nachfrage von Bettina Herlitzius – wohnungspolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion – nannten die vier PanelteilnehmerInnen verschiedene Stellschrauben, die sie drehen würden, sollten sie im Kanzleramt sitzen. Stephan Schwarz möchte die Arbeitskosten in Deutschland, insbesondere die Sozialabgaben reduzieren, die Aus- und Weiterbildung der Handwerker verbessern und den "Bauch" der Mittelständigkeit abtragen! Ulrike Mehl würde ein großes Umweltbildungsprogramm auflegen und ein ehrgeiziges Energie-Effizienz-Gesetz verabschieden. Michael Schäfer würde sich dem ehrgeizigen Energie-Effizienz-Gesetz von Frau Mehl anschließen und den Vorrang der erneuerbaren Energien erhalten. Dr. Franz Georg Rips möchte für eine ausgewogene Balance zwischen EigentümerInnen, MieterInnen und öffentlichen Geldern sorgen.    

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