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Rede zu Protokoll
DRS 16/13614
Ich muss schon sagen, dass der Zeitpunkt – auf den letzten Drücker - zu dem die Koalitionsfraktionen einen solchen Antrag an die eigene Regierung stellen, prinzipiell Grund genug für eine Ablehnung wäre. Doch auch wenn uns der Antrag in einigen Bereichen nicht weit genug geht, tut ein Großteil der Forderungen dem Tourismusbereich inhaltlich sicher gut. Deshalb werden wir uns heute enthalten. Schade nur, dass der Antrag erst jetzt kommt.
Urlaubsgäste sollen sich in einer Destination wohl fühlen und das hängt vor allem davon ab, wie die Leistungen an den Gast herangetragen werden. Die Tourismusunternehmen und deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, nehmen hier eine Schlüsselrolle ein. Schließlich sind die touristischen Produkte vergleichbar, Menschen hingegen nicht. Das ist ein sehr wichtiges Alleinstellungsmerkmal.
Es ist deshalb richtig, einen Schwerpunkt der Ausbildungstätigkeit auf die Qualität der touristischen Akteure zu legen. Ich stimme mit Ihnen überein, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass wir hier zukunftsorientierte Maßnahmen entwickeln müssen, denn der Tourismus hat Zukunft.
Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf die touristische Wettbewerbsfähigkeit. Ausbildungskonzepte sollten sich daher an einer langfristig verwertbaren Grundbildung orientieren. Nur so kann die beruflich notwendige Flexibilität zwischen unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern auch branchenübergreifend gesichert werden. Da ist sicherlich noch viel zu tun.
Schlüsselqualifikationen - also persönliche Kompetenzen wie Freundlichkeit, Erscheinungsbild, Organisations- und Improvisationstalent, die den Umgang mit dem Gast und auch die Leistungsbereitschaft erfassen, müssen neben den Berufskompetenzen unbedingt im Vordergrund der Ausbildung stehen. Aber auch der Umweltschutz und das Ziel der Barrierefreiheit müssen stärker als bisher in die Ausbildung integriert werden. Dabei kommen mir die letzten beiden Aspekte in ihrem Antrag eindeutig zu kurz.
Aus- und Weiterbildung auf breitester Ebene ist ein wesentliches Kriterium für die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft. Wenn der Gast sich wohl fühlt, kommt er auch gerne wieder.
Allerdings muss sich die Aus- und Weiterbildung in der Tourismusbranche auch auf einen wachsenden Online Reisemarkt einstellen. Das wird vor allem das klassische Berufsbild des/der Reiseverkehrskaufmann/-frau mehr und mehr verändern. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat erst letzte Woche veröffentlicht, dass immer mehr Deutsche in den Urlaub "surfen". Der Online Reisemarkt hat sich in den letzten drei Jahren verdoppelt. Inzwischen wird jeder vierte "Reise-Euro" via Internet ausgegeben. Dabei werden Online Portale gerade von Personen mit hohem Einkommen genutzt. Ein kaufkräftiges Potential, welches vielen kleinen und mittelständischen Reisebüros verloren geht.
Wir müssen den Aus- und Weiterbildungsbereich der Tourismuswirtschaft auch in der nächsten Legislatur im Auge halten, denn nur mit qualitativen Alleinstellungsmerkmalen können wir unsere Marktposition gegen starke Wettbewerber behaupten.