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| Bettina Herlitzius unterwegs mit AustauschschülerInnen im Viertel |
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Aachen. «Amy gehört inzwischen zur Familie», sagt Monika Theile und denkt mit Grauen an den Tag, an dem sie sich von ihrer «Gasttochter» verabschieden muss. Die 17-jährige Amy Taylor kommt aus Nevada und besucht derzeit die zehnte Klasse des Inda-Gymnasiums. Sie ist eine von insgesamt sechs Stipendiaten, die Bettina Herlitzius, Bundestagsabgeordnete der Grünen, im Rahmen eines Austauschprogramms zwischen dem Deutschen Bundestag und dem amerikanischen Senat in der Städteregion Aachen unter ihre Fittiche genommen hat. Bei einer Stadtführung durchs Frankenberger Viertel bekamen jetzt alle Beteiligten Gelegenheit, sich auch untereinander kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen. Amy Taylor sprach kein einziges Wort Deutsch, als sie zu ihrer Gastfamilie nach Roetgen kam. Anfangs habe sie Bilder gemalt, um sich mit ihrer Gastmutter zu verständigen, sagt sie. Inzwischen reichen ihre Sprachkenntnisse aus, um sich problemlos zu unterhalten. Aber leicht sei die erste Zeit nicht gewesen, erinnert sie sich. «Es ist schwierig, wenn man niemanden hat, mit dem man seine Probleme in der eigenen Sprache bereden kann», meint sie. Auch der 19-jährige Everardo Calderon aus Kalifornien hatte anfangs so seine Schwierigkeiten. Vor allem in den langen Wintermonaten quälte ihn das Heimweh. Inzwischen habe er es überwunden und alles sei ganz wunderbar. Er habe sich allerdings erst daran gewöhnen müssen, seine Nachmittage selbst zu organisieren. «Nach der Schule waren plötzlich alle weg, und ich wusste nicht, was ich in meiner Freizeit machen kann», sagt er. An den amerikanischen High Schools sei für das Programm gesorgt und das gefalle ihm besser. Ebenso wie die anderen Stipendiaten freut er sich über die Chance, ein Jahr in Deutschland leben zu können. Möglich wurde das durch ein Parlamentarisches Patenschafts-Programm (PPP) des Deutschen Bundestags mit dem amerikanischen Senat, das 1983 aus Anlass des 300. Jahrestages der ersten deutschen Einwanderung ins Leben gerufen wurde. Seitdem können junge Amerikaner ein Jahr in Deutschland in einer Gastfamilie leben, junge Deutsche gehen im Gegenzug für ein Jahr nach Amerika. Betreut werden die Schüler und Studenten dabei unter anderem auch von Bundestagsabgeordneten, die ihrerseits Schüler nach Amerika schicken dürfen. So konnte die Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius dem Alsdorfer Schüler Marvin Nowak einen Aufenthalt in Springfield (Oregon) ermöglichen. «Voraussetzung für den Erfolg des Projekts ist, dass sich immer genügend Gastfamilien finden, die bereit sind, einen Austauschschüler aufzunehmen», betont Monika Becker vom Gemeinnützigen Verein für internationale Verständigung (GIVE). Sie organisiert den Austausch in der Städteregion und hat dabei überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Ebenso wie Doris Schreiber aus Herzogenrath: Sie hatte bereits Gastschüler aus Frankreich und Italien zu Gast. Diesmal entschied sie sich für eine Amerikanerin, um durch die Gastschülerin ein bisschen mehr über das Land zu erfahren. «Aber Anna ist eigentlich gar keine typische Amerikanerin», sagt sie schmunzelnd und fügt hinzu: «Zumindest ist sie nicht so, wie ich mir die Amerikaner vorgestellt habe.» Anna D’ Entremont kommt aus South Carolina und ist Studentin. Sie hat bereits ihren Bachelor im Maschinenbau und macht derzeit ein Praktikum. Aachen sei eine gute Stadt, meint sie mit Blick auf ihr Studium. Was sie am meisten irritiere seien die kleinen Geschäfte. «Ich weiß nie so genau, was ich wo kaufen kann», sagt sie. Überrascht sei sie auch von den großen Hörsälen an der Uni. «Die sind bei uns viel kleiner und es darf dort auch nicht gesprochen werden während der Vorlesungen», erzählt sie. Als sie nach Aachen kam, hatte sie bereits eine deutsche Freundin: Die hatte sie in Amerika kennengelernt. Nicht zuletzt deshalb sei es ihr recht leicht gefallen, sich in Deutschland einzuleben. «Es ist toll, wenn man den jungen Leuten einen solchen Traum erfüllen kann», sagt Monika Theile als eine der Gastmütter. Ebenso wie die Gastschüler empfindet sie den Austausch als große Bereicherung. Wer sich für das kommende Jahr als Gastfamilie anbieten möchte, kann sich an Monika Becker vom Verein für internationale Verständigung wenden: Telefon 0241/70 80 78 oder per Mail: monika_becker@gmx.net . Auch Alleinerziehende oder kinderlose Paare können sich bewerben. |