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23. Juli 2010

Gespräch des Verkehrsausschuss: „Aktuelle Situation infolge der klimabedingten Ausfälle bei den ICEs“

Berlin, 22. Juli 2010, 10.00 – 12.00 Uhr

Am heutigen Donnerstag konnten sich die Mitglieder des Verkehrsausschusses über die aktuelle Situation infolge der klimabedingten Ausfälle bei den ICEs informieren. Zu Gast waren neben dem Bahnchef Dr. Rüdiger Grube und dem Vorstandsmitglied Ulrich Homburg auch Bundesminister Dr. Peter Ramsauer. Das Ministerium war außerdem durch den Präsidenten des Eisenbahnbundesamtes Gerald Hörster vertreten.

Ziel der kurzfristigen Zusammenkunft war die Aufklärung der jüngsten Vorfälle bei der Bahn. Vor etwa zwei Wochen sorgten die Ausfälle von Klimaanlagen insbesondere in den ICEs der zweiten Generation sowie deren Folgen für erste Schlagzeilen. Bei tropischen Temperaturen in den Abteilen der Züge kollabierten ganze Schulklassen und mussten anschließend medizinisch versorgt werden. Auch einige Bundestagsabgeordnete konnten von überhitzten Waggons berichten.

Aus Grüner Sicht lässt sich nach dieser Sitzung folgendes zusammenfassen: Wir werden sehr genau hinsehen und überprüfen, ob die bisher in Aussicht gestellten Entschädigungen auch tatsächlich erbracht werden. Sollten uns gegenteilige Erfahrungen bekannt werden, werden wir entsprechend handeln.

Bezüglich zu leistender Entschädigungen unterscheidet die Bahn drei Kategorien:

  • 1.       Kunden der Bahn, die sich aufgrund des Ausfalls der Klimaanlage in ihrem Zug in ärztliche Behandlung begeben mussten, erhalten einen (zeitlich begrenzten) Gutschein in Höhe von 150% des Fahrscheins, sowie einmalig 500€ Schmerzensgeld. Die Vorlage eines Attests sei dafür nicht zwingend notwendig, sagte Grube. Die Bahn möchte ihre Kunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten möglichst unbürokratisch entschädigen. So sollen auch die möglichen Folgekosten (bspw. die An- und Abreise für Untersuchungen beim Arzt) übernommen werden.
  • 2.       Kunden, die aufgrund der Vorfälle Einschränkungen (Verspätungen etc.) in Kauf nehmen mussten, sollen mit einem (zeitlich begrenzten) Reisegutschein in Höhe von 50% des Fahrpreises entschädigt werden.
  • 3.       Kunden, die ihre Reise gar nicht erst antreten konnten, bekommen den vollen Fahrpreis erstattet.

Zu kritisieren ist aus meiner Sicht, dass die Reisegutscheine nur zeitlich begrenzt gelten. Wir halten eine direkte finanzielle Entschädigung für das angemessenere Mittel.Wir begrüßen das Vorhaben Grubes, die Notwendigkeit der kostenpflichtigen Hotline zu überprüfen. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Bahnkunden für diesen Service auch noch zahlen müssen.

Laut Aussage von Grube scheint der Hauptgrund für die automatische Abschaltung der Klimaanlage nun höchstwahrscheinlich gefunden zu sein. Der sogenannte "Druckwächter", der den Systemkreislauf kontrolliert und beim Überschreiten eines Grenzwertes die Anlage herunterfährt, sei auf einer zu niedrig angesetzten Toleranzschwelle eingestellt gewesen. Diese wurde nun angehoben und das Problem damit gelöst, versprach Grube am heutigen Vormittag.

Der Prozess der Aufarbeitung ist damit jedoch noch nicht abgeschlossen. So etwas darf sich nicht wiederholen, sagt auch Bettina Herlitzius, Obfrau der grünen Bundestagsfraktion im Verkehrsausschuss: "Bahnchef Grube ist zu Recht um das Image der Bahn als sicherstes, klimafreundlichstes und potentiell komfortabelstes Verkehrsmittel bemüht. In Anbetracht der Häufung der Ausfälle von Klimaanlagen kann von Einzelfällen hier nicht mehr die Rede sein, wenn man nicht nur die Totalausfälle eines Zuges, sondern auch die teilweisen, auf einen Waggon beschränkten Abschaltungen der Klimaanlagen mit einbezieht. Es kann nicht sein, dass man während einer einfachen Fahrt von Berlin nach Hannover vier Mal das Abteil wechseln muss, weil die sich entwickelnden Temperaturen sonst zu Kreislaufproblemen führen könnten. Was sonst bleibt ist das Bild einer vom gemäßigten mitteleuropäischen Klima überforderten Deutsche Bahn AG." Bei der im November anstehenden Generalüberholung der ICE 2, müssen deshalb auch die Klimaanlagen einer umfassenden Überprüfung unterzogen werden. Bettina Herlitzius forderte den Bahnchef zudem auf über die Entwicklung eines "Plan B" nachzudenken. Wenn Züge komplett ausfallen, dürfe das nicht bedeuten, dass der nächste Zug mit einer Auslastung von 200 Prozent und mehr gefahren wird. Hier sollte auch über den Einsatz von Fernreisebussen als Ersatz ernsthaft nachgedacht werden, solange die Züge infolge der Achsenprobleme knapp sind.

 

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