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Von Joachim Zinsen
Aachen. Was viele Patienten schon seit längerer Zeit vermuten, ist jetzt durch eine landesweite Untersuchung der Bundestagsfraktion der Grünen bestätigt worden: Mitglieder von gesetzlichen Krankenkassen müssen erheblich länger auf einen Termin bei einem Facharzt warten als Privatversicherte – auch im Raum Aachen.
In zahlreichen Städten Nordrhein-Westfalens sind in den ersten beiden Dezemberwochen rund 350 Arztpraxen von Mitarbeitern der Grünen kontaktiert worden. Zwei Mal innerhalb von 48 Stunden baten Testanrufer um einen Termin – einmal als privat Versicherte, ein weiteres Mal als Kassenpatient. Das Ergebnis der Stichproben: Gesetzlich Versicherte hätten durchschnittlich 23 Tage länger warten müssen, um zur Behandlung vorgelassen zu werden.
Regional sehr unterschiedlich
Besonders eklatant war die Ungleichbehandlung bei Kardiologen. Während Kassenpatienten mit Herzproblemen eine Wartezeit von durchschnittlich 50 Tagen einplanen mussten, wäre für Privatversicherte schon nach 12 Tagen ein Termin möglich gewesen.
Auffallend sind auch deutliche regionale Unterschiede. In Wuppertal ergab sich eine unterschiedliche Wartezeit für beide Patientengruppen von lediglich zehn Tagen. Ganz anders sieht das Bild für Bonn (45 Tage) und Köln (41 Tage) aus. Hier wurden Kassenpatienten landesweit am stärksten benachteiligt. Auf Rang drei der Negativliste liegt der Raum Aachen. In der Region wurden 30 Facharztpraxen in der Stadt Aachen und insgesamt zehn in Düren und Jülich angerufen. Privatpatienten wären nach durchschnittlich neun Tagen behandelt worden, Kassenpatienten erst nach 42 Tagen.
Bettina Herlitzius, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Herzogenrath, nannte die Unterschiede gegenüber unserer Zeitung „nicht akzeptabel“ und befürchtete: „Auch die aktuell beschlossenen Vorgaben der Bundesregierung zu kürzeren Wartezeiten auf einen Arzttermin werden an dem Zustand nichts ändern.“ Ihr Fraktionskollege Oliver Krischer aus Düren erklärte: „Solange Ärzte für einen Privatpatienten wesentlich höhere Honorare bekommen, gibt es einen systematischen Anreiz privat Versicherte zu bevorzugen.“
Deshalb wollten die Grünen das geltende „Zweiklassensystem“ abschaffen und durch eine Bürgerversicherung ersetzen. „Dann gelten auch bei den Honoraren für gesetzliche und private Krankenversicherungen die gleichen Bedingungen“, verspricht Krischer.
Gewerkschaft: Weg mit der Praxisgebühr!
Der Chef des Gewerkschaftsbundes DGB, Michael Sommer, fordert die Abschaffung der Praxisgebühr. Sommer sagte in Berlin: „Es geht darum, den Menschen eine vernünftige Gesundheitsversorgung zu garantieren und sie nicht dafür zu bestrafen, wenn sie zum Arzt gehen müssen.“ (dpa)