Bettina Herlitzius, MdB

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Lebenswerte Stadt

Kurzprotokoll Forum "Wohnen in der Stadt"

am 19.-20. September 2008 in Berlin

Die Entwicklung des Leitbildes einer lebenswerten Stadt war das Ziel der Konferenz zu der die Grüne Bundestagsfraktion am 19. und 20. September ins Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin einlud. Am zweiten Nachmittag stand hier das Themenfeld "Wohnen in der Stadt", zur Debatte. Franziska Eichstädt-Bohlig, Dr. Reinhard Jank und Prof. Hildegard Schröteler-von Brandt bezogen aus verschiedenen Perspektiven zu neuen Herausforderungen für die Wohnungspolitik Stellung.

Unter der Moderation von Bettina Herlitzius erörterten sie das Wohnen in der Großstadt, die CO2-neutrale Wohngebäudesanierung und die Auswirkung des demographischen Wandels auf das Wohnen auf dem Land. Sie sprachen sich für ein integriertes Verständnis der Wohnungspolitik aus, das anstelle einer strikten Trennung der Ressorts versucht Wohnungs- und Baupolitik mit Bereichen wie Bildung, Integration, Arbeit, Jugend aber auch mit Klimaschutz und Energiepolitik zu verbinden.Wie Franziska Eichstädt-Bohlig betonte, tendieren junge Familien wieder mehr dazu in den Städten zu bleiben – eine positive Tendenz. Um sie zu erhalten muss die Großstadt jedoch attraktiver und lebenswerter werden. Möglichkeiten junges Wohnen in der Stadt zu begünstigen sieht sie z.B. in der Förderung von Baugruppen, in der Sicherstellung von großen, günstigen familienfreundlichen Wohnungen gerade in der Innenstadt und Grün- und Erholungsflächen auch im Zentrum. Sie zeigte, dass gerade in großen Städten Verkehrs- und Bildungspolitik nicht zu trennen sind. Starker Verkehr beeinflusst die Lebensqualität massiv. Ein gutes Angebot an Kitas und Schulen ist für junge Familien oft das entscheidende Kriterium bei der Wahl eines Wohnortes. Diesen hohen Herausforderungen sind die Kommunen derzeit finanziell nicht gewachsen.

Prof. Hildegard Schröteler-von Brandt knüpfte an diesen Punkt an, als sie über den Einfluss des demographischen Wandels auf das Wohnen im ländlichen Raum sprach. Sie betonte, dass die hauptsächlichen Folgen des demographischen Wandels, Alterung und Schrumpfung, sich dort nicht gleichmäßig niederschlagen werden. Vielmehr werden in der Regel bestimmte Viertel und Regionen z.B. vom Leerstand von Wohnräumen betroffen sein. Die Antwort auf diese Entwicklung ist nicht das Ausweisen neuer Baugebiete oder eine veränderte Familienpolitik. Der heterogenen Situation am Land können nur passgenaue Lösungsansätze genügen. Es gilt Bevölkerungs- und Raumentwicklungen übereinander zu bringen, indem auf mehr Qualität gesetzt wird, Wohnungen z.B. altersgerecht saniert werden und die Kommunen, mehr als bisher, informierend und vermittelnd auftreten.Durch sachgerechte Sanierung kann außerdem der Energieverbrauch massiv gesenkt werden.

Dr. Reinhard Jank berichtete für die Volkswohnung GmbH in Karlsruhe über zwei Wohngebäude, die im Rahmen eines Pilotprojektes von einer herkömmlichen Versorgung mit Erdgas vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt wurden. Die Gebäude wurden sowohl energetisch als auch technisch, durch eine neue Hülle, Lüftung, Wärmezähler und eine Heizeinheit im Keller mit Holzpellets sowie eines Pflanzenöl-Blockheizkraftwerkes saniert. Trotz einer Erhöhung der Kaltmiete in drei Schritten, konnten für die Bewohner bisher die Kosten fürs Heizen um 20-30%, fürs Warmwasser um 10% gesenkt werden. So wurde für die Mieter eine Kostenneutralität erreicht. Ausschlaggebender Faktor für den Energieverbrauch und die Kostenersparnis sind jedoch die unterschiedlichen Nutzerverhalten.

Aus der Perspektive der Wohnungspolitik ist, so fasst Bettina Herlitzius zusammen, ein integrierter Ansatz, der kleinteilig für das jeweilige Quartier Lösungsansätze findet, der beste Weg sich dem Leitbild einer lebenswerte Stadt anzunähern. Voraussetzung dafür bleibt aber eine Stärkung der Kommunen.  

 

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