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Protokoll des Expertengesprächs
am 6. Mai 2010 von 16.00-18.00 Uhr in Berlin
Eine Veranstaltung der Bundestagsabgeordneten Bettina Herlitzius, Sprecherin für Stadtentwicklung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, moderiert von Stephan Kühn, Sprecher für Baupolitik der selben Fraktion.
Referenten waren Prof. Elke Pahl-Weber, Direktorin des Bundesinstituts für Bau, Stadt und Raumforschung, sowie Prof. Dr. Dieter Rink vom Helmholzzentrum-Zentrum für Umweltforschung.
Im Anschluss an zwei Impulsreferate, in denen die Referenten bereits vorhandene Indikatorensysteme vorstellten und ihre Erfahrungen damit schilderten, wurde im Plenum lebendig diskutiert.
Einig waren sich Veranstalter, Referenten und Gäste darüber, dass rein objektbezogene Planung überholt und heute nicht mehr dazu in der Lage ist, die ökologischen Herausforderungen zu bewältigen, insbesondere nicht dazu, die Ziele zur CO2-Reduktion zu erreichen. Es bedarf deshalb einer quartiersbezogenen Herangehensweise, die Verkehr vermeidet und umweltschonende Transportmittel fördert, die technische Infrastrukturen in umweltfreundlicher Form reorganisiert, die den Flächenverbrauch reduziert und natürliche Ressourcen schont. Ein Indikatorensystem für Stadtquartiere ist deshalb wichtig und sinnvoll, weil das Quartier die entscheidende Handlungsebene ist und zukünftig sein wird.
Es ist als räumliche Einheit jedoch nicht klar definiert. In der Diskussion wurde deutlich, wie schwierig die Datenerhebung deshalb sein wird. Einige Zahlen sind, wie Prof. Pahl-Webers Projekt "Stadtquartiere der Zukunft" zeigte, auf Nachfrage von den Wasser- und Elektrizitätswerken zu bekommen. Doch ein Großteil der Daten existiert bislang nur auf gesamtstädtischer Ebene und sie für einzelne Quartiere neu zu erheben, würde eine deutliche Steigerung des Personal- und somit des Finanzaufwands bedeuten.
Außerdem kristallisierte sich der Umfang eines Indikatorensystems in der Diskussion als Streitfrage heraus. Prof. Dr. Rink sprach sich gegen stark zusammengefasste Ergebnisse aus und plädierte für Differenziertheit. Von anderer Seite wird Übersichtlichkeit statt übermäßiger Komplexität gefordert.
Die Verknüpfung einer indikatorenbasierten Bewertung mit der Städtebauförderung wurde von Prof. Pahl-Weber mit Verweis auf eine Stellungnahme der Kommission "Zertifizierung in der Stadtentwicklung" abgelehnt. Gentrifizierung und Diskriminierung würden so vorangetrieben. Stattdessen wurden eine Evaluation des ökologischen Erfolges der Förderung anhand eines Standarddatensatzes oder ein Zuschlag bei einer ökologisch besonders lobenswerten Entwicklung vorgeschlagen.
Jedenfalls, so waren sich die Diskutierenden einig, müsse dem von Prof. Pahl-Weber aufgezeigten Trend entgegengewirkt werden, dass immer weniger Menschen Wert auf eine ökologische Ausrichtung ihres Quartiers legen. Julia Gerometta, Referentin für Stadtentwicklung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, betonte deshalb, wie wichtig es sei, die kommunikative Verbindung zwischen den Bedürfnissen der Bevölkerung und den Indikatoren zu schaffen, indem der Wunsch nach Sauberkeit etwa mit der Restmüllmenge in Beziehung gesetzt würde etc. Ähnliche Ziele wurden mit der problemorientierten Herangehensweise des von Prof. Dr. Rink vorgestellten Indikatorensystems für Halle und Leipzig verfolgt.
Einigkeit herrschte ebenfalls dahingehend, dass Indikatoren sich auch und vor allem auf Bestandsquartiere beziehen müssen. Ein Instrument zur ausschließlichen Bewertung neuer Siedlungen ist nicht sinnvoll, da diese lediglich noch in geringem Umfang entstehen und die Indikatoren damit nur in kleinen Teilen ihre Wirkungskraft entfalten könnten.